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Bildung und Wissenschaft

Was hat die Bildungspolitik mit der Bevölkerungsentwicklung zu tun?

Viel. Denn in einer kleiner und zugleich älter werdenden Gesellschaft kommt es zur Sicherung unseres Wohlstands auf das Wissen und die Ausbildung eines jeden Einzelnen an. Die Investitionen in die Köpfe oder das so genannte Humankapital gewinnen für Wirtschaft und Gesellschaft an Bedeutung.

Durch die Bevölkerungsentwicklung ergeben sich große Anforderungen, aber auch Spielräume zur Neugestaltung. So kann die gezielte Bildung der Jüngsten früher beginnen. In Kindergarten und Schule sind die Grundlagen für ein Lebenslanges Lernen zu legen. Diese Grundlagen sind in den Hochschulen und der beruflichen Ausbildung ständig zu vertiefen. Da das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften zurück geht, wird auch die berufliche Weiterbildung jüngerer und älterer Arbeitnehmer wichtiger. Die Unternehmen müssen aus Verantwortung für die Zukunft mehr in Umschulungen und die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren.

Welchen Einfluss hat der demografische Wandel auf die sächsische Schullandschaft?

Die Schülerzahlen sind in Sachsen in den letzten Jahren deutlich gesunken. Darauf musste der Freistaat reagieren. Zwischen 1995 und 2010 wurden rund 800 Schulen geschlossen.

Das Schulnetz in Sachsen ist damit nun weitgehend stabil. Grund-schulen und Gymnasien haben den dramatischen Geburteneinbruch bewältigt. Bildlich gesprochen ist das Schulnetz nun zwar weitmaschiger, aber stärker, denn die verbleibenden Schulen haben die Chance, mehr als bisher zu bieten: Mehr Vielfalt in den schulischen und außerschulischen Angeboten und mehr Qualität durch einen gezielten Einsatz der Lehrer aber auch der Schulbaufördermittel. Die gut ausgestatteten Berufsschulzentren weisen dabei den Weg. Das Schulnetz soll aber auch so gestaltet sein, dass es nicht zu unzumutbar langen Schulwegen kommt. Hier sind die Landkreise und Gemeinden gefordert, sinnvolle und praktikable Lösungen zu entwickeln.

Was bedeutet »Lebenslanges Lernen«?

Lebenslanges Lernen durchbricht die bisher üblichen Bildungs-strukturen und Abläufe eines Bildungsweges, der oftmals mit dem Abschluss der Schul- oder Hochschulzeit als beendet angesehen wurde. Mit zurückgehenden Zahlen von Personen im Erwerbsalter erhält die ständige Erneuerung des Wissens im Laufe des Arbeitslebens einen immer höheren Stellenwert. Auch eine Fachkraft hat nie »ausgelernt«. Das Lebenslange Lernen verfolgt dabei den Ansatz, dass Ältere genauso produktiv sein können wie Jüngere, wenn sie motiviert sind und ihr Wissen auf dem neuesten Stand halten.

Daher verzahnt das Lebenslange Lernen die Bildungsbereiche der vorschulischen Bildung, der Schule, der Berufsausbildung, der Hochschule sowie der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung und kann z. B. den Wiedereinstieg in einen Bildungsweg oder die Zertifizierung von im Beruf erworbenen Fähigkeiten bedeuten.

 

Wie können sich die Hochschulen und Universitäten auf die Bevölkerungsentwicklung einstellen?

Die »Geburtendelle« Anfang der 1990er Jahre erreicht derzeitig die Hochschulen und Universitäten. Eine geringere Zahl an sächsischen Abiturienten beeinträchtigt die Hochschulen und Universitäten jedoch nicht in dem Maße wie die Schulen, da die Anzahl der Studienanfänger auch von weiteren Faktoren wie Studierneigung und der Zahl von Studenten aus anderen Bundesländern und dem Ausland beeinflusst wird.

Mehr noch als in der Vergangenheit müssen die Hochschulen und Universitäten daher ein attraktives und wettbewerbsfähiges Angebot vorhalten, um Studenten anzuziehen. Darüber hinaus werden sie ihr Profil so gestalten müssen, dass mehr Studenten in den Fächern ausgebildet werden, in denen ein erhöhter Fachkräftebedarf besteht.

Welche Effekte hat der demografische Wandel auf die Innovation?

Möglicherweise haben ältere Beschäftigte auch dämpfende Auswirkungen auf die Innovationskraft der Wirtschaft bzw. das Existenzgründungsgeschehen. Längerfristig bedeutet dies, dass höherwertige Qualifikationen vermehrt benötigt werden und dass das Innovationspotenzial der älteren Mitarbeiter gezielter erschlossen und stärker genutzt werden muss.