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Bürgergutachten

Bürgergutachten zum demographischen Wandel in Erlbach im Vogtland

Im Rahmen der von den Ministerpräsidenten Koch und Milbradt 2007 vereinbarten »Demographie-Partnerschaft« beider Länder setzen Sachsen und Hessen beim demografischen Wandel im ländlichen Raum auf Ideen und Konzepte der Menschen vor Ort.

Staatsminister Wöller und Bürgermeister Herold

Umweltminister Wöller und Bürgermeister Herold am 22.04.2008 in Erlbach
(© Marlies Dähn)

Am ersten Novemberwochenende 2007 kamen in der sächsischen Gemeinde Erlbach im Vogtland 21 Bürgerinnen und Bürger zu einem Workshop zusammen, um Fragen zur Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort zwei Tage lang gemeinsam zu erörtern. Sie wurden per Zufallsverfahren ausgewählt und vertraten Altersgruppen zwischen 20 und 75 Jahren. Der Sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Roland Wöller überreichte am 22. April 2008 auf einer Veranstaltung im Erlbacher Freilichtmuseum Eubabrunn an Klaus Herold, den Bürgermeister der sächsischen Modellgemeinde, die Ergebnisse des Bürgergutachtens. »Sachsens Bürger gestalten den Umgang mit dem demografischen Wandel in den ländlichen Regionen mit«, freute sich der Minister. Ziel dabei sei, die Lebensqualität trotz rückläufiger Bevölkerungszahlen in unseren Dörfern zu erhalten und auszubauen.

Workshop in Erlbach am 2./3.11.2007

Workshop in Erlbach am 2./3.11.2007
(© SK)

Zu den Ideen, die von den Teilnehmern des Workshops entwickelt wurden, gehören beispielsweise eine Tauschbörse für Dienstleistungen, eine mobile Apotheke und die Einrichtung eines Vereinshauses als zentrale Anlaufstelle für alle Einwohner Erlbachs. Wichtige Herausforderungen für die Zukunft sehen die Bürgerinnen und Bürger u.a. darin, den Zugang zu Versorgungsleistungen und die Mobilität der Bewohner dauerhaft zu sichern.

Workshop in Erlbach am 2./3.11.2007

Workshop in Erlbach am 2./3.11.2007
(© SK)

Bereits heute ist das Angebot an Dienstleistungen ausgedünnt. Ältere Menschen befürchten z.B., in eine gewisse Isolierung und Abhängigkeit zu geraten, weil ohne Auto Einkaufsmöglichkeiten, Gesundheitsleistungen oder andere Dienstleistungen wie z.B. eine Apotheke kaum erreichbar sind.

Die Bürgergutachter sehen Lösungen darin, zwischen den Bewohnern soziale Netze zu stärken bzw. zurück zu gewinnen. So wünschen sich viele Bürgerinnen und Bürger, durch gegenseitige Unterstützung und Nachbarschaftshilfe entsprechende Lücken zu schließen – ein Bedarf, der in Zukunft noch weiter ansteigen wird. Diskutiert wurden z.B. organisierte Mitfahrmöglichkeiten in die nächsten größeren Orte, persönliche Hilfen beim Einkaufen, bei der Reinigung der Wohnung oder bei der Überwindung von Einsamkeit, aber auch die Unterstützung von Familien mit Kindern durch Ältere. Um solche und andere Netze zu organisieren, wurde auch über eine Vereinsstruktur diskutiert, die Unterstützungen anregt, organisiert und die entsprechenden Kontakte herstellt.

Die Diskussionen in der Bürgergruppe verliefen sehr erfolgreich und brachten konkrete Vorschläge für ein weiteres Vorgehen hervor, ebenso wie die zuvor durchgeführte Expertenrunde mit Vertretern öffentlicher Einrichtungen, Vereinen und lokaler Ökonomie. Die Ergebnisse wurden im Bürgergutachten zusammengestellt und können so in die Entscheidungen der Kommunalpolitik einfließen.

Auf der Suche nach Zukunftsprojekten, die Gemeinden bei der Gestaltung des demografischen Wandels voranbringen sollen, waren vom 22. bis 24. November letzten Jahres auch Bürger der hessischen Kleinstadt Battenberg/Eder. Der Hessische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel besuchte am 10.06.2008 Battenberg, um das Bürgergutachten an die Stadt zu übergeben.