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5. Regionales Dialogforum in Bautzen

Staatsminister Dr. Johannes Beermann beim Dialogforum Bautzen Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Staatsminister Dr. Johannes Beermann beim Dialogforum Bautzen
(© Sächsische Staatskanzlei)

Staatsminister Dr. Johannes Beermann beim Dialogforum Bautzen Landtagsabgeordneter Marko Schiemann bei der Begrüßung Prof. Dr. Irene Schneider-Böttcher beim Vortrag Zuhörer Oberbürgermeister Stefan Skora und Abgeordneter Marko Schiemann mit Moderator André Hardt Im Podium (v. l.) Dr. Andreas Brzezinski, Staatsminister Dr. Johannes Beermann, Prof. Dr. Irene Schneider-Böttcher, Moderator André Hardt, Oberbürgermeister Stefan Skora und Landtagsabgeordneter Marko Schiemann Prof. Dr. Irene Schneider-Böttcher beantwortet Fragen

Die Sächsische Staatskanzlei hatte am 2. Juli 2014 zum 5. Regionalen Dialogforum »Demografischer Wandel in Sachsen. Chancen gestalten!« in Bautzen eingeladen. Dr. Johannes Beermann, Staatsminister und Chef der Staatskanzlei, wollte die Veranstaltung im Landkreis Bautzen nutzen, mit Entscheidungsträgern und Bürgern zum Thema »Fachkräftesicherung und demografischer Wandel« ins Gespräch zu kommen. Die Wirtschaft im Landkreis Bautzen ist klein- und mittelständisch geprägt. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen wird es künftig schwieriger, passend qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.
Neben Herrn Dr. Beermann hatten sich Prof. Dr. Irene Schneider-Böttcher, ehemalige Präsidentin des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen, Dr. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden, Marko Schiemann, Mitglied des Sächsischen Landtages und Stefan Skora, Oberbürgermeister der Stadt Hoyerswerda für die Podiumsdiskussion zusammengefunden. André Hardt moderierte. 

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Staatsminister Dr. Johannes Beermann in der Diskussion
(© Sächsische Staatskanzlei)

Staatsminister Dr. Johannes Beermann in der Diskussion Anregende Diskussionen - v. l. Dr. Andreas Brzezinski, Staatsminister Dr. Johannes Beermann, Prof. Dr. Irene Schneider-Böttcher und Moderator André Hardt Blick ins Publikum

Landtagsabgeordneter Marko Schiemann übernahm die Begrüßung. Mit seiner Beschreibung der positiven Entwicklung Bautzens stimmte er die Gäste des Abends darauf ein, die Region als Zukunftsregion zu begreifen. Natürlich erfordert die künftige Entwicklung, nach neuen Antworten zu suchen, z. B. bei den Fragen: Was müssen Unternehmen, der Staat, der Mittelstand, der einzelne Handwerksbetrieb für die Fachkräftesicherung leisten? Wir kann der Generationswechsel in den Unternehmen gestaltet werden?
Welche Chancen und Optionen sich für die Gesellschaft ergeben, beschreibt Frau Prof. Dr. Schneider-Böttcher ausgehend vom statistischen Befund. Zwar wird die Zahl der Erwerbsbevölkerung zurückgehen, betrachtet werden muss jedoch auch die qualitative Seite. Zu den Schätzen in Sachsen gehören die sehr gut ausgebildeten Menschen. Das eigene Potenzial muss erkannt, gestärkt, genutzt und sinnvoll ausgebaut werden. Sie hat dafür einen ganzen „Strauß“ von Anregungen parat. Dazu gehört angesichts des Durchschnittsalters der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Bautzen von 43,1 Jahren die Förderung älterer Mitarbeiter/innen. 35,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (36.836 Personen) im Landkreis sind bereits 50 Jahre oder älter. Wie kann erreicht werden, dass insbesondere auch die älteren Mitarbeiter/innen fit bleiben, Interesse an Weiterbildung haben sowie an neuen Entwicklungen im Unternehmen beteiligt werden? Weitere Handlungsfelder ergeben sich aus ihrer Sicht aus den Fragen, wie es gelingt, die Berufsfähigkeit der Schulabsolventen zu sichern, um den Einstieg für den Berufseinstieg junger Menschen zu verbessern. Potenziale sieht Frau Prof. Dr. Schneider-Böttcher bei den Anstrengungen, die heimische Wirtschaft zu gewinnen, noch stärker in die Berufsausbildung zu investieren, damit junge Leute ihre Perspektive in der Region sehen. Auch junge Menschen ohne schulischen Abschluss müssen eine zweite Chance erhalten. Arbeitskraftreserven können z. B. auch durch ein zahlenmäßig größeres Angebot von Vollzeitarbeitsplätzen für Frauen mobilisiert werden. Wichtig ist die Vernetzung der verschiedenen regionalen Akteure u. a. mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen, aber auch mit Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie Handwerkskammern (HWK) als strategische und operative Partner für KMU bei Fragestellungen wie der Unternehmensnachfolge, dem Umgang mit altersgemischten Arbeitsgruppen oder bei Fragen zum Gesundheitsmanagement. Wie gelingt es, eine gute Infrastruktur (IT-, Verkehrs- und Freizeitinfrastruktur, Öffentlicher Personennahverkehr - ÖPNV) auch im ländlichen Raum zu sichern, damit Arbeitskräfte mobil und flexibel sein können?  

Stefan Skora ist nicht nur in seiner Funktion als Oberbürgermeister der Stadt Hoyerswerda gekommen, sondern auch als Vertreter des Oberzentralen Städteverbundes Bautzen-Görlitz-Hoyerswerda (OZSV). Der Städteverbund versteht sich in der Verantwortung für die gesamte Region Oberlausitz-Niederschlesien. Der OZSV bearbeitet das Thema »demografischer Wandel« mit weiteren Partnern (Mittelstädte der Region und Institutionen). Für die Stadt Hoyerswerda, die gegenüber Anfang der 1990er Jahre rund 50 Prozent der Einwohner verloren hat, ist es bereits ein großer Erfolg, bestehende Arbeitsplätze zu erhalten. Einen Aufgabenschwerpunkt sieht er bei der Erreichbarkeit von Bildungsstätten, Dienstleistungen im Gesundheitsbereich, aber auch von Arbeitsplätzen. Jungen Leuten müsse stärker gezeigt werden, dass die Region auch Perspektiven biete. Von der Landesregierung wünsche er sich, vor allem im Bildungsbereich, dass »Landesgrenzen stärker durchbrochen« werden. Im Sinne der Gesamtentwicklung der Region wird es immer wichtiger, dass die Kommunen untereinander ins Gespräch kommen und sich in ihren Entscheidungen abstimmen.
Dr. Andreas Brzezinski sieht momentan für die Region noch keinen Fachkräftebedarf. Mit dem alle zwei Jahre seit 2001 durchgeführten Fachkräftemonitoring, bei dem Unternehmen befragt werden, verfolgen die Kammern die Entwicklung. Für die künftige Entwicklung wird es dennoch notwendig werden, Strukturen zu überdenken. Auch aus der Sicht der Wirtschaft darf die Region nicht schlechtgeredet werden. Die Kammer appelliert an die Unternehmen, für ihren Standort zu werben. Beim Kernthema Ausbildung versucht die Kammer, alle Reserven zu erschließen. Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, ist schwieriger geworden. Um deren Interesse müsse frühzeitig geworben werden. Die Maßnahmen der Kammer sind vielfältig, angefangen von Beratungsangeboten für Unternehmen zum Thema Personalentwicklung, Angebote für eine Teilzeitausbildung, die insbesondere junge Frauen ansprechen soll, bis zur Werbung auf Veranstaltungen und Messen.
Staatsminister Dr. Beermann verweist u. a. in seiner Rede auf die Fachkräftestrategie Sachsen 2020, die die Staatsregierung im April 2012 als Orientierungsrahmen einer sächsischen Fachkräftepolitik beschlossen hat. Diese Strategie fasst die langfristig ausgerichteten Säulen: Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Zuwanderung zusammen.
In der Diskussion mehrfach angesprochen wird das Verhältnis von Stadt – Land/ Dresden – Oberlausitz/ Große Zentren – ländlicher Raum, konkret am Beispiel der Strukturüberlegungen zu den Ausbildungszentren für die Berufsausbildung und beim Thema ÖPNV. Auch in den kleineren Städten, wie z. B. Weißwasser, ist ein Berufliches Schulzentrum von enormer Wichtigkeit. Warum sollten Dresdner Schüler z. B. nicht nach Radeberg fahren? Bei dem Interessensausgleich zwischen Stadt und Land sollte der Freistaat eine koordinierende Rolle übernehmen.
Die Passgenauigkeit von Berufs- und Studienorientierung muss verbessert werden. Einer hohen Studienanfänger-, aber auch Studienabbrecherquote steht eine rückläufige Zahl von jungen Menschen, die eine Ausbildung im Handwerk absolvieren, gegenüber. Herr Dr. Brzezinski scheint daher mit Blick zur Staatsregierung eine Regelung per Gesetz zu einer verbindlichen Berufsorientierung in allen Schulen (damit auch Gymnasien) mit festem Standard als zwingend geboten.
Gefordert wird in der Diskussion eine bessere Verkehrsanbindung, sowohl beim ÖPNV als auch beim Schienenfernverkehr (z. B. Elektrifizierung der Strecke Dresden-Bautzen-Görlitz), die verträgliche Fahrzeiten für Pendler bietet, aber auch der Ansiedlung von Unternehmen vor Ort nütze.
Ein einheitliches Tarifsystem zwischen den Verkehrsverbünden ZVON und VVO ist wünschenswert. Diskutiert wird des Weiteren über Einkommensunterschiede, Lohnstruktur und Lebenshaltungskosten sowie Rückkehrinitiativen.
Rund 100 Gäste verfolgten das interessante Podiumsgespräch und die nachfolgende Diskussion. Im Anschluss gab es wieder Gelegenheit für individuelle Gespräche. 

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