1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

6. Regionales Dialogforum in Sebnitz

Im Podium: Peter Darmstadt, Susann Pohl, Oberbürgermeister Mike Ruckh, Moderator André Hardt, Staatsminister Dr. Johannes Beermann sowie Dr. Katrin Möller (v. l. n. r.) Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Im Podium: Peter Darmstadt, Susann Pohl, Oberbürgermeister Mike Ruckh, Moderator André Hardt, Staatsminister Dr. Johannes Beermann sowie Dr. Katrin Möller (v. l. n. r.)
(© Dr. Uwe Winkler)

Im Podium: Peter Darmstadt, Susann Pohl, Oberbürgermeister Mike Ruckh, Moderator André Hardt, Staatsminister Dr. Johannes Beermann sowie Dr. Katrin Möller (v. l. n. r.) Staatsminister Dr. Beermann bei seiner Rede Blick aus dem Publikum Dr. Katrin Möller beim Vortrag Dr. Katrin Möller beim Vortrag Oberbürgermeister Ruckh im Gespräch

Nach den Veranstaltungen in Görlitz, Markneukirchen, Bad Düben, Annaberg-Buchholz und Bautzen nutzte der Chef der Staatskanzlei, Staatsminister Dr. Johannes Beermann, das regionale Dialogforum am 17. Juli 2014 in Sebnitz als Gelegenheit, die unterschiedlichen Lösungsansätze und Ideen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge persönlich kennenzulernen sowie mehr über praktische Probleme vor Ort zu erfahren. Er diskutierte gemeinsam mit dem Oberbürgermeister der Stadt Sebnitz, Mike Ruckh, der Beauftragten für das Demografie-Projekt in der Stadtverwaltung Sebnitz, Susann Pohl, der Geschäftsführerin des Klinikums Pirna, Dr. Katrin Möller, und dem Beigeordneten des Geschäftsbereiches Gesundheit und Soziales im Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Peter Darmstadt, über die Gestaltung des demografischen Wandels.

Dass der demografische Wandel täglich erlebbar und facettenreich ist, zeigte Oberbürgermeister Ruckh in seinem Grußwort anhand von Titelüberschriften in der Tagespresse, zum Beispiel mit den Schlagzeilen: »Wurstwarenbetrieb kämpft um Azubis«, »Zur Pflege nach Pilsen«, »Baubeginn für barrierefreies Wohnen«, »94-Jähriger ist ältester Sportabzeichenträger Sachsens« und »Zwei Drittel der sächsischen Neurentner sind jünger als 65«. Welche Konzepte gefragt sind, ist regional sehr unterschiedlich und bedarf vorher eines Problembewusstseins für die Situation. Für die Kommune gilt es, neben den harten Standortfaktoren, wie Verkehrsanbindung, Arbeitsplätze, funktionierender Einzelhandel, Versorgung mit Kitas, Schulen, Ärzten und Betreuungsmöglichkeiten für ältere Menschen, schnelles Internet bzw. Breitband, auch die weichen Faktoren, wie lebendiges Vereinsleben, funktionierendes Ehrenamt, vorwärtsgewandete Politik und ein positives Image im Fokus zu behalten. Probleme dürfen nicht verdrängt werden, da im Wandel auch Chancen liegen. 

Podiumsgespräche Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Podiumsgespräche
(© Dr. Uwe Winkler)

Podiumsgespräche Peter Darmstadt beim Vortrag Zuhörer Anregende Diskussionen Interessante Gespräche im Podium Blick ins Podium

Staatsminister Dr. Beermann knüpfte in seiner Rede daran an: »Wer die Chancen im Blick hat, der wird die Veränderungen meistern. Zur Gefahr für die wirtschaftliche Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt wird die demografische Entwicklung dann, wenn alles so bleiben soll wie bisher. … Die Art und Weise, wie angepackt wird, entscheidet letztlich über die Zukunftsfähigkeit und die Lebensqualität in einer Region. … Die Staatsregierung unterstützt deshalb aktiv Veränderungsprozesse vor Ort, aber eine Blaupause aus Dresden gibt es dafür nicht, denn die Probleme können von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sein. … Viele Demografieprojekte in Sachsen zeigen, dass trotz der Bevölkerungsverluste der Modernisierungsprozess aktiv vorangebracht wird.«

Frau Dr. Katrin Möller beschrieb die Herausforderungen des demografischen Wandels für die Krankenhäuser. Das Klinikum Pirna ist ein Akutkrankenhaus der Regelversorgung im Landkreis mit zurzeit 410 Betten. Es befindet sich ist in privater Trägerschaft. Neben stationären werden auch ambulante Leistungen angeboten. Die Klinik betreibt ein Medizinisches Versorgungszentrum mit Außenstellen u. a. in Stolpen und Pirna Copitz. In ihrem Vortrag berichtete sie, wie es dem Klinikum gelingt, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten und welchen Beitrag die Klinik leistet, um die medizinische Versorgung in der Fläche zu gewährleisten und damit auch den Auswirkungen des demografischen Wandels mit einem signifikant steigenden Bevölkerungsanteil an älteren Menschen zu begegnen. Angeboten wird zum Beispiel ein Job-Sharing-Angebot für junge Mediziner, das den Einsatz sowohl im niedergelassenen Bereich als auch als Tätigkeit im operativen Bereich erlaubt, neue Ausbildungsformen im Bereich Pflege, Bindung des medizinischen und pflegerischen Personals bereits während der Ausbildung oder des Studiums. Ein Vorteil ist dabei, dass die Klinik akademisches Lehrkrankenhaus der Technischen Universität Dresden ist.

Mit dem Projekt »Cardio Angel« will das Klinikum die Notfallversorgung von Herzinfarkt-Patienten im Einzugs- und Rettungsdienstgebiet Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verbessern. Beim Herzinfarkt sind eine frühzeitige Reaktion und der direkte Transport in ein Herzkathederlabor ganz entscheidend und können Leben retten. Zentrale Komponente des Projektes ist, die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Klinik zu verbessern. Die Rettungsfahrzeuge erhalten eine spezielle technische Ausstattung, die es ermöglicht, während des Einsatzes die für den Krankenhausarzt relevanten Daten zu erheben und an das Zielkrankenhaus zu übertragen, so dass der diensthabende Kardiologe frühzeitig entsprechende Vorbereitungen im Krankenhaus einleiten kann.

Peter Darmstadt berichtete u. a. von seinen Erfahrungen aus dem Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe mit sehr spezifischen Problemlagen. Die regionalen Unterschiede des Landkreises mit den Umlandgemeinden von Dresden mit Bevölkerungszuwächsen, Regionen mit geringem Anpassungsdruck und dem Grenzbereich zeigen sich auch in der Sozialstruktur. Er machte darauf aufmerksam, dass sich die Gesellschaft und auch der Landkreis auf steigende Zahlen an Pflegebedürftigen einstellen muss, was wiederum Folgen auf die Nachfrage an Pflegeheimplätzen und geeignetem Wohnraum, bei der Suche nach Pflegepersonal sowie auf die Kosten für die Pflege hat.

Susann Pohl stellte das Demografie-Projekt »Sebnitz erfolgreich machen« mit zwei konkreten Beispielen vor. So werden Bürger einbezogen, um gegen den Ladenleerstand etwas zu unternehmen. In einem Mehrgenerationenhaus treffen sich Bürger verschiedener Generationen zu vielfältigen Aktivitäten.

Oberbürgermeister Ruckh forderte von den Städten und Gemeinden eine stärkere Willkommenskultur für neue Bürger. Sebnitz hat zum Beispiel ein Rückkehrerbüro.

Wie bei vorherigen Foren der Veranstaltungsreihe bezog Moderator André Hardt auch die Bürger in die Diskussion ein. Ihre Fragen betrafen u. a. die Themen Fachkräftebedarf, Lohnunterschiede, Mindestlohn, Mobilität und Erreichbarkeit, kommunale Finanzen und Demenz. Der Vertreter vom Verein Landschaf(f)t Zukunft e. V. im Publikum, dem Dachverband für die Interessenvertretung des ländlichen Raumes, appellierte an die Gäste, Ideen einzubringen beim Neustart der EU-Förderinitiativen für den ländlichen Raum im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Im Landkreis gab es bisher zwei anerkannte LEADER-Gebiete. LEADER ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es Menschen vor Ort ermöglicht, regionale Prozesse mitzugestalten.

Zum sechsten Dialogforum kamen rund 60 Gäste in die Aula des Goethe-Gymnasiums in Sebnitz, die nach dem offiziellen Veranstaltungsteil Gelegenheit für individuelle Gespräche hatten.